Ein Defender kann auch nerven

Man liebt ihn oder man kann ihn nicht leiden. Ich (wir) lieben ihn und ab und an können wir ihn nicht leiden. Man kann niemanden erklären, warum man einen Defender liebt, aber stundenlang erzählen, warum er einen in schöner Regelmässigkeit nervt.Ein wenig ist er ja wie ich (sagt meine Frau): oft ein bisschen laut, ganz und gar nicht sparsam im Verbrauch, leicht unförmig und von den Abgasen möchte man gar nicht reden. Meine Frau mag mich trotzdem – hoffe ich zumindest.
Man versteht es einfach nicht. Wie kann man ein so schönes Auto so lieblos zusammen nageln. Spaltmasse frei Schnauze. Blindnieten – was gerade so in der Kiste war. Einige rosten, die anderen nicht (oder etwas später). Man sagt: ein Landyfahrer sieht alles positiv, sieht seinen Dicken als Familienmitglied und übt sich in Geduld. Gerne umschreibt man die Schwächen als Charakter, als kleine Schrulligkeit, die ihn dadurch einzigartig machen. Erfahrene Landyfahrer lieben ihn nicht obwohl er Fehler hat, sondern weil er sie hat. Er hebt sich dadurch ab vom Einheitsbrei der üblichen seelenlosen Autos.
Natürlich ist das alles Quatsch. Man ärgert sich. Mit jedem Landy sollte ein Arbeiter aus der Fabrik mitgeliefert werden. Dann hat der Mistkerl Gelegenheit seine Schlamperei nachzubessern, während ich ihn beschimpfe. Kein Mensch mit ein wenig Anstand und Stolz, niemand der seinen Job nur eine Sekunde ernst nimmt, macht so etwas. Diese Kerle bohren Löcher ins Metall und lassen die Metallspänne einfach drin. Ok, je nach Ausstattung legen sie (wie bei uns) einen Teppich drauf. Gelernt ist halt gelernt. Alte Schule. Gewinde falsch geschnitten – kein Problem: dann schmiert man einfach irgend einen Dreck rein, damit die Schraube hält. Mit dem Dreck würde ich den Mitgelieferten gleich mal bewerfen. Ob der das im Detail war, oder nicht, es wird keinen Falschen treffen.
Vielleicht gibt es auch zwei Versionen. Die britische Version (leicht erkennbar an der falsch montierten Lenkung) und die Exportversion. Am Ende der Produktion gibt es für die Kontinentaleuropäer ein weiteres Montageband, auf dem der kontrollierte Rückbau erfolgt. Hier werden die nichtrostenden Nieten und Schrauben teilweise durch schnell rostende ersetzt, perfekte Spaltmasse mit viel Körpereinsatz frei Schnauze verschoben und gebogen und als Abschluss noch ne Handvoll Metallspänne als Sahnehäubchen oben drauf. Späte Rache für Dünnkirchen? Reine Garstigkeit? Evtl. ist das Wetter oder das miese Essen schuld. Macht einfach mürrisch. Kann aber auch nicht sein – schon mal einen Italiener gefahren?

Nur so am Rande: das iPad gibt beim tippen automatisch Wort-Vorschläge. Beim Wort ‘Defender’ schlägt er ‘Defekter’ vor.

Roland

Roland

Mein Name ist Roland und ich bin kein Reise- oder Foto-Blogger, sondern von Beruf Werbefotograf, der sehr gerne und so oft wie möglich verreist. Anfänglich mein Hobby zum Beruf gemacht, mache ich jetzt meinen Beruf zum Hobby und verbinde es mit meiner Reiselust. Am liebsten verreise ich mit der besten aller Hälften: meiner Frau Iris.