Wie funktionieren australische Toiletten ohne Wasser und Kanalisation

Heute einmal eine ganz wichtige Nebensache: Öffentliche Toiletten auf Reisen, speziell die in Australien und außerhalb der großen Städte. Ein zugegebenermaßen etwas sperriges Thema, jedoch sollten wir uns nicht der Realität verschließen. Jeder “muss mal” und wenn man “mal muss”, sollte man auch können dürfen.

Clivus Multrum Toilettenhäuschen in Australien
Clivus Multrum Toilettenhäuschen in Australien

Generell ist Australien, was öffentliche Toiletten betrifft, sehr vorbildlich. Fast überall finden sich nicht nur saubere, sondern in der Regel auch noch behindertengerechte Toiletten. Da lassen sich die Australier wahrlich nicht lumpen. Australien ist aber auch ein (furz) trockenes Land. Wasserspülungen im australischen Outback kann man genauso vergessen, wie eine flächendeckende Kanalinfrastruktur. Da müssen andere Toiletten her!

Der gemeine Australier zeigt sich meist recht findig, wenn es um das Lösen ungewöhnlicher Probleme geht. In diesem Fall hat er sich etwas auf der Welt umgesehen und ist auf das Toilettensystem des Schweden Rikard Lindström gestoßen. Im Jahre 1939 hat sich Lindström mächtig geärgert, dass er nicht durch die heimische Bucht schwimmen konnte, ohne von den eigenen Abwässern “belästigt” zu werden.

Aus diesem Grund entwickelte er ein System, dass ohne Kanalisation arbeitet. Es funktionierte so gut, dass sich zuerst die Nachbarn und später halb Schweden für seine Lösung interessierte. Es dauerte jedoch noch bis 1960, bis die “Lindström Toilette” unter dem Markennamen “Clivus” als Patent eingetragen wurde. Clivus ist übrigens das lateinische Wort für Neigung, das sich aus dem Ausbau der Toilette ergibt (dazu später mehr). Heute wird das Produkt unter den Namen “Clivus Multrum” weltweit vertrieben und findet nicht nur in Regionen, die unter Wassermangel leiden, zahlreiche Käufer.

Wie funktioniert die Clivus Multrum Toilette ganz ohne Wasser und Abwasserkanal?

Clivus Multrum funktioniert wie die Natur. Die Fäkalien und der Urin werden mit Hilfe von Mikroorganismen, die der Kompostmasse wie eine Gewürzmischung beigefügt werden, einer guten Belüftung, etwas Feuchtigkeit und viel Zeit in ein festes und geruchloses Endprodukt zersetzt. Ganz einfach und irgendwie genial!

Clivus Multrum Toilette
Clivus Multrum Toilette

Eine Sache ist dabei extrem wichtig: Durch die gute Belüftung handelt es sich um einen aerobischen Prozess und unterscheidet sich dadurch angenehm von anaerobischen Prozessen, die durch zu wenig Belüftung zur Bildung von Faulgasen wie Methan führen. Ganz klar: Mach das Fenster auf, dann stinkt es nicht!

Als Grundlage wird für die Kompostierung eine Mischung aus Torf, Holzspänen und Erde benötigt. So fühlen sich die Mikroorganismen pudelwohl und machen die Arbeit, die sonst keiner machen möchte. Durch die Holzspäne, die im laufenden Betrieb ab und an ergänzt werden müssen, bleibt die Kompostmasse locker und ausreichend gut belüftet.

Diese lockere Struktur ist auch wichtig, da es sich bei bei den menschlichen Ausscheidungen neben den Feststoffen auch um eine flüssige Komponente handelt. Der Urin kann so durch die Kompostmasse sickern, macht dabei bereits eine biochemische Umwandlung durch und gelangt schließlich über den geneigten Boden des Tanks als geruchlose, salzige Lösung in ein Sammelbecken. Diese Flüssigkeit ist biologisch stabil, kann gelagert und, mit etwas Wasser verdünnt, als stickstoffhaltiger Dünger für den Rasen oder Blumen verwendet werden.

Der feste Dünger kann, durch eine Klappe im Tank, dem System entnommen werden. Die fleißigen Mikroorganismen zersetzen und verwandeln nicht nur feste und flüssige Abwässer in hochwertigen Dünger, sondern beseitigen zuverlässig krankheitserregende Organismen und Keime. Dies ist durch mehrere Studien nachgewiesen.

Funktionsweise Clivus Multrum Toilette
Funktionsweise Clivus Multrum Toilette

Die wichtige Belüftung der Anlage erfolgt praktischerweise durch den Toilettensitz. Die Öffnung der Toilette ist hier ungewöhnlich groß und man spürt bei der Benutzung einen angenehmen Luftstrom am blanken Gesäß. Die Abluft, die auch CO2 und Wasserdampf beinhaltet, gelangt durch einen kleinen Abluftkamin, in Form eines dünnen Rohres, ins Freie.

Wie bereits erwähnt, ist die Zeit bei der Umwandlung ein wichtiger Faktor. Sie dauert in der Regel mehrere Jahre. Der Tank muss daher, je nach Nutzungsverhalten, entsprechend gross sein. In Australien findet man die Clivus Multrum Anlagen jedoch auch an hochfrequentierten Raststätten und auch hier gibt es keine Probleme mit der Tankgröße.

Fazit: Die Komposttoiletten funktionieren, sind eine pfiffige Idee und nicht nur in trockenen Regionen eine hygienische und ressourcenschonende Lösung.

In Hinblick auf den enormen Wasserverbrauch, der bei uns üblichen Toiletten, ist es selbst in heimischen Gefilden eine gute Idee, die man in Betracht ziehen sollte.
Für Schrebergärten oder Ferienhäuschen im Grünen sind diese Komposttoiletten die perfekte Lösung: kein Wasserverbrauch, keine Anbindung an das Kanalnetz und immer biologischen Dünger für die Blümchen.

 
 
 
 
Bilder: © Heinrich (abseiler.de)
Funktionsschema: Clivus Multrum
Roland

Roland

Mein Name ist Roland und ich bin kein Reise- oder Foto-Blogger, sondern von Beruf Werbefotograf, der sehr gerne und so oft wie möglich verreist. Anfänglich mein Hobby zum Beruf gemacht, mache ich jetzt meinen Beruf zum Hobby und verbinde es mit meiner Reiselust. Am liebsten verreise ich mit der besten aller Hälften: meiner Frau Iris.

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